
- Berliner Kammergericht Elßholzstraße - Kammergericht Berlin
Zu Fuß durch Berlin-Schöneberg: Die japanischen Zierkirschbäume, die im Frühjahr die Schöneberger Elßholzstraße für vier Wochen in ein rosarotes Blütenmeer tauchen, erinnern ein wenig an die Wurzeln dieses kleinen Straßenzuganges: den alten Botanischen Garten, heute Heinrich-von-Kleist-Park in der Nähe der gleichnamigen U-Bahnstation.
Lustgarten am Berliner Schloss musste Ausbau der Kassematten und Befestigungsanlagen weichen
Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm geriet im Jahr 1666 in die Bredouille: Sein Lustgarten am Berliner Schloss hatte der Erweiterung der Kassematten und Befestigungsanlagen gegen äußere Feinde weichen müssen. So wurde einst weit vor den Toren Berlins, auf halben Wege der alten Chaussee nach Potsdam, Ersatz geschaffen. Und der Leibarzt des Monarchen, Johann Sigismund Elßholz (1623 - 1688), pflückte seine Heilkräuter auf der Schöneberger Wiese und braute Medizin daraus.
Zunächst als Kräuter- und Küchengarten des Brandenburg-Preußischen Hofes genutzt, entwickelte sich die Anlage unter dem Botaniker Johann Gottlieb Gleditsch (1714 - 1786) – nach ihm ist die Parallelstraße im heutigen Berliner Ortsteil Schöneberg benannt – zu einem Mustergelände für die Landwirtschaft mit vielen exotischen Pflanzen. Im Jahr 1810 wurde der Botanische Garten der Berliner Universität übertragen.
Elßholzstraße und Gleditschstraße erschlossen Brachgelände am alten Botanischen Garten Berlins
Um das brachliegende Nachbar-Areal für seine Zwecke zu erschließen, legte der Bankier Eduard Treplowitz im Jahre 1892 die Elßholzstraße und die Gleditschstraße an. Wegen Platzmangels in der sich immer weiter ausdehnenden Großstadt wurde der Botanische Garten – inzwischen weit über die Grenzen Berlins hinaus berühmt – Anfang des 20. Jahrhunderts nach Dahlem verpflanzt.
Die grob gepflasterte Elßholzstraße, die wohl schon so manchen radelnden Schüler der anliegenden Sophie-Scholl-Oberschule kräftig durchgerüttelt hat, kann noch mehr Geschichtsträchtiges bieten: Zwischen vierstöckigen Miethäusern aus der Gründerzeit und einigen Neubauten aus den 1950er und 1960er Jahren wird die Hofseite eines alten Prunkbaus sichtbar.
Das 1909 - 1913 in den Ausmaßen und Formen eines Barockschlosses errichtete Gebäude war ehemals Sitz des Preußischen Kammergerichts; in der Nazi-Zeit trat hier der berüchtigte Volksgerichtshof zusammen und sprach seine Unrechtsurteile. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude an der Elßholzstraße Nr. 30 - 33 zunächst als Domizil des Alliierten Kontrollrates und danach als Luftsicherheitszentrale. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands und Berlins wurde die historische Städte erneut Kammergericht und damit Sitz des Oberlandesgerichts Berlins.
Ehemaliger Feldweg mauserte sich zur hippen Akazienstraße
Nur einen Steinwurf weit entfernt liegt, zwischen Grunewald- und Hauptstraße, mitten im Herzen von Berlin-Schöneberg die Akazienstraße. Bereits im Jahre 1860 auf alten Karten als baumgesäumter Feldweg ausgewiesen, hat sich der einsame Pfad von damals inzwischen allerdings zur populären Wohngegend mit Kultur- und Kneipenszene vor der Haustüre gemausert.
Neben den vierstöckigen Altbauten aus der Gründerzeit bestimmen denn auch „In“-Läden das Straßenbild. Ein Literatur-Café gibt Nachwuchsschriftstellern eine Chance, Buchläden bieten fernöstliche Weisheiten und „gestylte Szene-Frauen“ geben sich beim Obsthändler mit Otto Normalverbraucher und verspäteten Anhängern der „Müsli-Kultur“ die Klinke in die Hand.
Seinen Namen hat die Straße von dem alten Akazienwäldchen, das einst die Gegend zwischen Apostel-Paulus- und Grunewaldstraße zierte. Der Norden Schönebergs war einst Teil einer eiszeitlichen Niederung. Noch zu Urgroßvaters Zeiten bestimmten sumpfige Wiesen das Bild. Neben Akazien wuchsen auch Erlen und Eschen. Und die pfiffigen Bauern nutzen die feuchten Wiesen zum Hopfenanbau.
Das Akazienwäldchen fiel zugunsten märkischer Backsteingotik
Dem Wandel vom Dorf zur Großstadt mussten schließlich die meisten Stämme weichen – das Akazienwäldchen beispielsweise märkischer Backsteingotik: In den Jahren 1891 - 1893 entstand dort das Königliche Prinz-Heinrich-Gymnasium. Heute wird das im Zweiten Weltkrieg stark beschädigte und nie wieder vollständig restaurierte Haus als Berufsschule genutzt. Auch für die Apostel-Paulus-Kirche, 1894 vom Architekten Franz von Schlechten entworfen, mussten Bäume gefällt werden. Im Jahre 1909 war es endgültig vorbei mit dem grünen Tal. Von nun an bestimmten Miethäuser und Hinterhofindustrie die Szenerie. Wohnen und Arbeiten in engster Nachbarschaft, heute von der Alternativ-Kultur wiederentdeckt, gab es in Schöneberg schon damals.
Was es mit den Akazienbäumen auf sich hat, die heute die hippe Straße in Berlin-Schöneberg säumen, verrät das Gartenbauamt: Stämme, die in unseren Breiten Akazien genannt werden, sind eigentlich Robinien. Nach den Bombennächsten des Zweiten Weltkrieges wurden 1945 diese Bäume, die eng mit der südländischen Akazie verwandt sind, neu angepflanzt.
